Wolfgang Behr

"Meine Aufgabe, einen Augenblick höchster Selbstbesinnung der Menschheit vorzubereiten, einen großen Mittag, wo sie zurückschaut und hinausschaut, ... "

aus "Ecce Homo" von Friedrich Nietzsche
(geschrieben 1888)



"STRING - World Politics For Individuals" ist ein politisches Projekt von Wolfgang Behr :


Auf eine für mich unvordenkliche, also schicksalhafte Weise ist mir von Personen und Zeiten die Aufgabe übertragen worden, einen neuen Aggregatzustand des menschlichen Zusammenlebens herbeizuführen, indem ich den persönlichen Geist, gerade so wie er sich in jedem erwachsenen Menschen auf der Erde entwickelt, zum entscheidenden Element des menschlichen Lebens mache.

Der persönliche Geist ist Ausdruck des natürlichen, geschichtlichen und sozialen Lebens eines Menschen, aber auch seiner Bildung und charakterlichen Entwicklung. Man kann es an dieser Stelle nicht weniger formelhaft sagen. Tatsächlich soll sich jeder selbst definieren.


Für die Gesellschaften und ihre Institutionen bedeutet das,
dass sie nicht auf dem Zwang von außen beruhen, sondern auf der grundsätzlichen Fähigkeit der einzelnen Menschen, sozial verantwortlich und dadurch frei zusammenzuleben.

Und warum soll der zivilisatorische Fortschritt, anstatt nutzlosen Reichtum zu produzieren, nicht dazu dienen, praktische Wege und Mittel jeglicher Art für diese freie Welt zu ermöglichen, wenn sie denn das allgemein anerkannte Ziel der Menschheit ist?

Obwohl schon viele wichtige Schritte in diese Richtung getan sind, ist die politische Realität der individuellen Selbständigkeit heute noch Zukunftsmusik. Dabei ist nicht klar, ob z.B. die materiellen Knappheiten in der heutigen Welt nicht längst überflüssig sind und als Gegenargument ausgedient haben.

Es gibt die scheinbar aus Erfahrung gespeiste Sorge, dass sich egoistisches oder gar zerstörerisches Verhalten allgemein durchsetzt, die aber zur selbsterfüllenden Prophezeiung wird, wenn man glaubt, sich selbst so verhalten zu müssen, um zu (über)leben.


Der für eine freie Welt grundlegende Akt der Personalisierung des Geistes ist indes nur durch Einsatz (m)eines eigenen individuellen Beispiels möglich - um das Maß aufzustellen! Eine Welt, in der das Primat des Persönlichen gilt, kann nicht von Kollektivvertretern initiiert werden. Sie muss von einer Einzelperson als solcher begonnen werden!


Diese Aufgabe überfordert mich absolut - das jedoch nicht deshalb, weil das Ziel zu idealistisch wäre. Wenn, dann ist höchstens die Wasserstoffbombe zu "idealistisch". Sie zwingt die menschliche Art, sich fundamental zu verändern, genauer, sich zu individualisieren. Denn kollektive Feindschaft und Gewalt sind heute nicht mehr das, was sie bis 1945 waren. Sie sind artgefährdend geworden. Nach wie vor existieren atomare Waffensystemen im Übermaß. Aber die Welt hat noch längst nicht gelernt, auf Gewalt als kalkuliertes Mittel zu verzichten. -
Nein! Ich bin vielmehr deshalb überfordert, weil ich als einzelner "nobody" etwas von allgemeiner Bedeutung erreichen muss.
Aber nach meiner Erfahrung kann ich dieser Aufgabe nicht entkommen.


Die Überforderung macht noch verständlicher, dass ich in diesem Zusammenhang die klassischen, aber absolut unzeitgemäßen sozialen Muster "Herrscher" und "Messias" sozusagen im eigenen Leib erkennen musste, was mich radikal individualisiert hat.

Protagonist der Weltgeschichte? Das Realisierungsproblem mal aussen vor gelassen, wie könnte diese Rolle heute Sinn machen?
Nur dann, wenn es mir gelingt, die politische Position des einzelnen Menschen gegenüber allen Kollektivmächten und -strukturen mit Vorrang zu versehen, gemäß der Erkenntnis, dass keine (hierarchische, verfasste) Kollektivmacht die ganze Weltgesellschaft politisch ordnen kann. Denn daraus folgt, dass eine künftige politische Weltordnung auf den Schultern der/aller einzelnen Personen ruhen muss! Kollektivstrukturen (wie z.B. Rechtsstaaten oder Unternehmen) sind dann Mittel für begrenzte Zwecke in den Händen der Individuen für ihre Subsistenz und ihr Zusammenleben.


In diesem Sinne habe ich das historisch-mythologische Muster des messianischen Herrschers politisch-philosophisch durchgearbeitet und in eine paradigmatische, modern individualisierte, d.h. demokratische, egalitäre (=alle Menschen GELTEN gleich) Form gebracht.

Die Form steht jetzt allgemein zur Verfügung. Mit ihrer Hilfe kann jede Person für sich den geistig-politischen Status als moderner Mensch abklären: Inwiefern bin ich mehr als ein Rädchen im Getriebe der techno-kapitalistischen Weltzivilisation? Inwiefern ist meine Freiheit oder Moral etwas anderes als Geld verdienen bzw. ausgeben - wenn auch nicht gänzlich unabhängig davon? Welche Bedeutung habe ich unabhängig von meiner Stellung in der Gruppe und in der Gesellschaft? Was ist das "Ganze" meines persönlichen Lebens, das mich einzigartig macht? Wie meistere ich das Schicksal, ohne Fremde für mich "bezahlen" zu lassen (=die Wasserstoffbombenlehre)? ...

Man kann diese Form selbständig, durch Übertragung den STRING-Webseiten entnehmen. Ich gehe davon aus, dass Sie - meine Mitmenschen - mehr oder weniger an derselben historischen Schwelle zu einer personalisierten Welt stehen wie ich. Wenn es daher in diesem Zusammenhang eine allgemeine Rolle für mich gibt, dann kann es nur eine indirekte sein, die eines "primus inter pares"! ("Erster unter Gleichen")


Jenseits der Globalisierung !


STRING ist darüber hinaus der Versuch, einen aktuellen politisch-kulturellen Standpunkt zu schaffen, der mir bei meiner Aufgabe hilft.

Dazu arbeite ich auch im direkten Kontakt mit Leuten, indem ich sie z.B. davon überzeuge, dass alle Sorten von gesellschaftlichen Machthabern, auch die militärischen und gewaltbereiten Machthaber heute zwar noch Macht haben, aber trotzdem nur noch pro forma herrschen, weil sie (wie wir alle) durch die Wasserstoffbombe absolut in Frage gestellt werden

- woraus folgt, dass auf der Erde absolut künstlich Bedingungen zu etablieren sind, die alle gesellschaftlichen Gewalten und Institutionen immer weiter "teilen" und dadurch auf ein für die einzelnen Personen mitbestimmbares und effektiv kontrollierbares Maß bringen. Die Idee ist, dass keine Person und kein Kollektiv mehr die Ressourcen und die Macht anhäufen kann, um diese (und andere) absoluten Zerstörungsmittel herzustellen.


Auch wenn wir immer Gesellschaftswesen bleiben werden und dem Unbill wie den Geschenken unserer inneren und der äußeren Natur übergeben sind: Nur der einzelne Mensch kann Herr oder Herrin der modernen "globalen" Welt werden, weil diese in einem nie dagewesenen Umfang auf dem Gebrauch des Geistes beruht. Der Gebrauch des Geistes ist Sache des einzelnen Geistes.

Es liegt an uns, diese Herrschaft anzutreten. Wenn wir das nicht tun, dann beherrschen uns die unpersönlich bleibenden systemischen Ergebnisse vieler unserer geistigen Aktivitäten - sei es direkt oder indirekt.

Der Geist verlangt nach unserer persönlichen Souveränität! Nur der persönliche Geist kann den abstrakten, ökonomischen oder technischen Geist beherrschen.

Das Paradigma dafür ist der biblische Gott - eine (geistige) Person, die man nicht sehen oder berühren kann. Er hat uns nach seinem Vorbild geschaffen. (Genesis)
Der Philosoph Immanuel Kant meinte dazu, dass die Aufklärung mit dem alttestamentlichen Gottesbegriff begann.


Mit dieser Politik des Geistes sind auch praktische Visionen verbunden: Wird im Zuge einer demokratischen Personalisierung der Geschichte die ungeheuere, sich steigernde Kraft der zeitgenössischen Zivilisation endlich für fortschreitende Lokalisierung der gesellschaftlichen Institutionen und ebenso fortschreitende Dezentralisierung/Entkoppelung der materiellen Existenzbewältigung verwendet (was eine sehr alte Idee ist!), dann sollen die Menschen größere Freiräume im Zusammenleben erzeugen, vor allem durch regelmäßiges Miteinander-Sprechen.

Die Menschen sollen im Rahmen ihrer jeweiligen individuellen Lebensumstände - so gut es geht - "Manager" ihres Schicksals sein.

Die privaten und öffentlichen Organisationen und Institutionen der heutigen Welt einschließlich des Militärs - ihre Verantwortungsträger können den einzelnen Personen bei den anstehenden epochalen Schritten nur helfen, wenn sie ihnen zu Diensten sind.
Sie müssen die eigene Macht und Bedeutung bei ihren mannigfaltigen gesellschaftlichen Aufgaben zwar durchsetzen, aber defensiv, begrenzt, kontrolliert, sich dem ("Welt"-)Bürger unterordnend, - was in Demokratie und Republik der Theorie nach selbstverständlich ist!

Insbesondere können sie die einzelne Person und ihren Status als zentrale politische Instanz der Zukunft - im Guten wie im Schlechten - nicht ersetzen. Im Gegenteil, Kollektive wie z.B. die National-Staaten sind als mögliche Werkzeuge bornierter Feindschaftsobsessionen hochgefährdet, die real-apokalyptischen Gewalten der heutigen Zivilisation auf die Menschheit loszulassen. Auch die Organisationen der Ökonomie sind ähnlichen Gefährdungen ausgesetzt.


Allgemein gilt, je vernetzter und zentralisierter die gesellschaftlichen Abhängigkeitsstrukturen sind, je größer die Potentiale der Macht sind, desto zerstörerischer wirken sich Machtmissbrauch oder Versagen von Eliten aus.

Und wann waren die globale Gesellschaft integrierter und die faktische Abhängigkeit und Ausgesetztheit (Wasserstoffbombe!) größer als heute, ohne dass eine entsprechende Autorität für vernünftiges und gemeinsames Handeln existieren würde? Rechtsstaatliche Demokratie in territorial begrenzten Nationalstaaten kann da keinen Ausgleich schaffen!


Noch sind wir auf Gedeih und Verderb von Großstrukturen abhängig und leben unter der Ägide von Großorganisationen. Noch können manche Leute an den Knotenpunkten der "Megamaschine" Weltgesellschaft unermesslich reich und mächtig werden und verteidigen ihre Macht mit fast allen Mitteln. Noch kann alleine durch Dominoeffekte (dazu gehören auch die Folgen von Umweltzerstörungen) allergrößtes Unheil entstehen!

Krisen und Katastrophen wird es immer geben. Aber wenn sie eine Region oder einen Ort betreffen, kann von außen Hilfe kommen. Betreffen sie die ganze Welt, kann der Schaden unermesslich werden.

Lange - im Grunde seit Alexander d. Gr. galten Großstrukturen und Großorganisationen als Krönung der Zivilisation. Heute ist die Abhängigkeit von ihnen längst grotesk unzeitgemäß geworden.

Ihre Dominanz kann überwunden werden, wenn wir die moderne zivilisatorische Potenz künftig in Formen gießen, die den Menschen überall auf der Erde ein für sie verstehbares, selbstbestimmtes Leben ermöglichen - vielleicht nicht in der zu Ende gehenden "westlichen" Bequemlichkeit des Öl-Zeitalters, aber eben selbstbestimmt!

Dazu müssen nicht zuletzt all die großen und kleinen lokalen "Diktatoren" überwunden werden, was sehr schwer ist. Denn wir müssen die unmittelbare Gewalt und die Bereitschaft, zu töten, substantiell ächten bzw. eingehegen, aber auch ihre Anlässe! Jeder kleine oder größere "konventionelle" Gewaltakt kann ein Keim eines globalen Wasserstoffbomben-Kriegs sein - der ultimativen "Großstruktur", die es zu verhindern gilt. Ändern wir nichts Grundsätzliches, gibt es irgendwann zu viele Keime - vielleicht erst in hundert oder mehr Jahren! Aber dann ist es zu spät.


Ich glaube, dass wir homo sapiens sapiens mit einer Herausforderung konfrontiert sind, die man nur als das Schicksal der Freiheit begreifen kann. Ihre Dimension wird erst heute einer Mehrheit von Menschen frei (einzeln) bewußt. Ihre Bewältigung wird uns alles abverlangen. Sie kann aber auch größte Freude bereiten. Nennen wir sie: "Die aktive Teilhabe am Geist!"

Unser Geist zwingt uns, in zwei Welten zu leben, auch wenn diese untrennbar verwoben und unendlich verschränkt sind - der unmittelbaren, direkten Welt der Materialität und unserer Sinne sowie der indirekten, durch Sprache, Schrift, Zeichen, Symbole, Bilder, Töne, ... vermittelten Welt.

Dadurch müssen wir auf ewig und immmer wieder von neuem nach der Wahrheit suchen, ja unsere eigene Wahrheit herstellen, sowohl im moralischen, als auch im faktischen Sinne, ohne sie je endgültig dauerhaft zu erreichen. Der schicksalhafte Zwang zur Freiheit, der in jeden von uns einen Widerspruch, einen existentiellen Riß einpflanzt, kommt in dem alttestamentlichen Mythos der von Gott verfügten Existenz eines verbotenen(!) Apfelbaumes, bzw. von der "Vertreibung aus dem Paradies" zum Ausdruck.

Es wird höchste Zeit, dass jede einzelne Person dieses Päckchen trägt!

(2008 beta-Version)


Fortsetzung:

STRING - Introduktion

(http://adstring.org/indexIntro.html)